|
Liebe Leserinnen und Leser,
Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. (Matthäus 18,20 - Monatsspruch für September 2011)
Haben Sie, liebe Gemeindeglieder, noch im Gedächtnis, was uns am Himmelfahrtstag gesagt wurde? „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ Der Monatsspruch für den September ist so etwas wie eine Ergänzung dazu, allerdings...Ist Ihnen aufgefallen, dass hier nichts von Tausenden von Menschen gesagt ist, gar von einer „Volkskirche“, sondern von einer Zahl, die in unserer auf Masse ausgerichteten Zeit kaum irgendwo erwähnt würde.
Zwei oder drei - was können die schon ausrichten? Was haben die schon für eine Bedeutung, politisch, wirtschaftlich oder quotenmäßig? Lächerlich, unbedeutend!
Das denkt mancher „Bedeutende“ nicht nur heute. Das haben über Jahrhunderte manche gedacht und haben sich entscheidend geirrt, denn ihnen war und ist nicht klar, dass sich diese wenigen Leute im Namen dessen versammeln, dem „alle Macht gegeben ist im Himmel und auf der Erde“! - Allerdings...
Was bedeutet es denn, wenn wir zu Beginn eines Gottesdienstes sagen: „ImNamen...“? Sind wir dann wirklich fest überzeugt, dass wir im Namen Jesu versammelt sind, und dass er mit all seiner Macht jetzt bei dieser, seiner Gemeinde ist? Dabei kommt es nicht auf die Zahl an, sondern eben auf die Gegenwart Jesu.
Vor einigen Tagen war ich in Leipzig, und da ist mir noch einmal klar geworden, was diese feste Gewissheit bewirken kann; die Gewissheit, dass das, was in der Gemeinde geschieht, wenn es denn im Namen des wahren Herrn dieser Welt geschieht, Überwältigendes auszurichten vermag.
Gut, es macht Freude, einen Kirchentag wie vor kurzem in Dresden zu erleben - wenn auch nur am Bildschirm. Es ist beeindruckend, eine schier unüberschaubare Menge von Menschen an beiden Elbufern zu sehen und dabei an die Speisung der Fünftausend erinnert zu werden. Allerdings...
Das ist nun einmal nicht der Alltag der Gemeinde Jesu Christi. Das Problem ist, dass die Versuchung nahe liegt, aus einer großen Zustimmung einen Machtanspruch abzuleiten. Bekanntlich ist Jesus nicht darauf hereingefallen.
Leider aber eine Kirche, die sich auch noch nach seinem Namen nennt. ganz gleich welcher Konfession!
Und - was ist dabei herausgekommen? Diese Art Kirche hat in weiten Kreisen ihre Glaubwürdigkeit verloren. Machtgehabe jeglicher Form ist nun einmal für die frohe Botschaft schädlich. Jesus hat allen Verantwortlichen in allen Bereichen empfohlen: „Wer unter euch der Größte sein will, der sei euer aller Diener.“
Führungsposition bedeutet also in erster Linie Dienst an der Allgemeinheit, aber das ist nicht nur in den meisten Bereichen der Politik und Wirtschaft vergessen worden, ebenso wie die Meinung: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!“
Gewiss, wir bedauern, dass viele Menschen sich von der Kirche oder den Kirchen zurückziehen. Aber weshalb bedauern wir das? Weil wir immer mehr an Einfluss und damit an Macht verlieren oder weil ich diese Menschen der so einmalig kraftvollen Lebenshilfe der frohen Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen berauben oder, noch besser, weil wir es nicht verstanden haben, ihnen die wahre Bedeutung dieser Botschaft für ihr Leben lebendig genug nahe zu bringen?
War also das, was wir in den letzten Jahren oder Jahrhunderten getan und gesagt haben, eben nicht „im Namen Jesu“ gesagt und getan?
Doch schon, es gab Zeiten in der älteren und jüngeren Geschichte der Kirche, wo man etwas davon spüren konnte, etwa zur Zeit der Gründung der Werke der Inneren und Äußeren Mission oder kurz nach dem letzten Krieg, um nur zwei zu nennen.
Aber es gab leider auch schlimme Verirrungen wie Glaubenskriege, die „im Namen Gottes“ geführt wurden - als benötige Gott solche selbst ernannten „Gotteskrieger“, um sich und seine Ehre zu verteidigen!
Ein Blick in die Geschichte des Volkes Israel zeigt übrigens ein ähnliches Auf und Ab in seinem Verhältnis zu Gott, wie es die Kirchengeschichte aufweist- Wen es interessiert, dem sei das Buch der Richter empfohlen. Man wird sehen - viel hat sich in den Jahrtausenden nicht geändert.
Müssen wir also Angst haben, dass die Tage der christlichen Kirchen gezählt sind, wie es manche voraussagen und auch hoffen?
Wohl kaum, denn die Garantie für das Bestehen der Kirche Jesu Christi sind eben nicht menschliche Organisationen und Bemühungen, sondern die Gegenwart des lebendigen Herrn in den Keimzellen seiner Kirche, diesen zwei oder drei, versammelt in seinem Namen.
Es wünscht Ihnen eine gute Zeit
 Ihr Pfr. Klaus Toepper
|